Familienbande einmal außer Kraft gesetzt. (WN vom 08.08.2014)

2014-08-11 08-51-31_Eva Bitter und Marco Kutscher sind ein Paar – ... 2014-08-11 08-52-09_Eva Bitter und Marco Kutscher sind ein Paar – ...

Ein komisches Gefühl, wenn man gegen den Partner im Wettkampf antritt? „Nee, eigentlich gar nicht“, sagt Eva Bitter. „Das ist ja nichts Besonderes mehr.“
Von Jürgen Beckgerd
Die 40-Jährige ist liiert mit Marco Kutscher, der sich als Pferdewirtschaftsmeister vom Stall Beerbaum verabschiedet und sich mit seiner Partnerin nun in Bad Essen selbstständig gemacht hat. Das Haus in Riesenbeck sei mittlerweile verkauft, die Einrichtung fast komplett rübergeschafft. Noch ist der Umzugsstress nicht vollständig überwunden.
„Wir leben noch ein bisschen wie auf einer Baustelle“, sagte Eva Bitter. Die Arbeiten sind noch nicht in Gänze abgeschlossen, ein Teil der Stallungen muss noch umgebaut werden, aber an diesem Wochenende zählt für die beiden nur eines: Münster und sein „Turnier der Sieger“. Und wenn es sich nicht anders einrichten lässt, auch gegeneinander. Der Sport bringt es mit sich, erfordert eine Konkurrenz, wo ansonsten liebevolle Eintracht herrscht.
Eva Bitter hat Münster schon früh schätzen gelernt, hier hat sie sechs Jahre lang gelebt („in der Gegend der Sentruper Höhe“), beim RV St. Georg Münster ist sie als Vereinsmitglied eingetragen und auf dem Schlossplatz hat sie 2010 ihre vierte von mittlerweile insgesamt sechs Deutschen Meisterschaften gewonnen.
Auf das „Turnier der Sieger“ freuen sich beide. „Das ist einfach etwas Besonderes, diese Atmosphäre vor dem Schloss ist Klasse“, sagt sie und erntet stumme Zustimmung ihres Partners. Überhaupt: „Das Fest mit der Überreichung des Friedensreiterpreises am Freitag ist immer klasse. Das Wochenende wird schön“, freute sich Eva Bitter schon im Vorfeld auf den Trip aus der neuen niedersächsischen
in die alte westfälische Heimat.
Besonders wichtig: „Die Organisation ist tadellos. Hier wir jedes Jahr wieder mit ganz viel Herzblut gearbeitet“, schickt Eva Bitter eine besondere Grußbotschaft an das Orga-Team des Westfälischen Reitervereins.
So ganz lässt sie die angesprochene Konkurrenz zu ihrem Partner aber nicht ruhen: „Das schönste wäre doch, dass er im Stechen um den Großen Preis Erster wird und ich Zweite“, blickt sie optimistisch und selbstlos auf den kommenden Sonntag. Die Volte folgt jedoch prompt: „Oder ich bin Erste und er Zweiter. Eine schöne Vorstellung . . . Ach was, lassen wir doch einfach die Kirche im Dorf.“
Marco Kutscher, der dreimal bei Olympia Bronze gewann, ebenso oft bei Europameisterschaften Dritter wurde, sattelt in Münster Van Gogh als sein Hauptpferd für den Großen Preis, eventuell setzt er auch seine achtjährige Stute Chaccorina und Cornet’s Cristallo ein, mit dem er zuletzt jeweils Zweiter beim Großen Preis in ’s-Hertogenbosch und Hagen aTW war. Eva Bitter verlässt sich auf den zwölfjährigen
Hengst Perigueux, der seit 2009 bei der Reiterin regelrecht Karrieresprünge vollzog. Zuletzt gewann das Duo den Zwei-Sterne-Grand Prix beim renommierten Turnier Glock‘s im österreichischen Treffen. Gut vorbereitet ist das Paar also und wer weiß, vielleicht wird es ja etwas mit dem Zweikampf zwischen den beiden um den Großen Preis von Münster. In der Großen Tour gestern Nachmittag gingen sie sich aus dem Weg. Kutscher (37.) wurde mit Balermo ebensowenig platziert wie Eva Bitter (32.) mit Caresse.